Guaifenesin,  Guaifenesin-Therapie

Dosierungsprobleme bei Niedrigdosierern

Dosierungsprobleme bei Niedrigdosierer*innen

Reden wir über die Ausnahmen und Sonderfälle! Sie sind nämlich gar nicht so selten, wie man vielleicht denkt.

In diesem Artikel beschreibe ich die besondere Situation von Niedrigdosierer*innen. 

Niedrigdosierer*innen benötigen weniger als die Standarddosis an Guaifenesin. Sie reagieren schon bei sehr geringen Mengen mit einer Beschwerdeverstärkung. 

Die Schübe sind sehr viel länger und intensiver, als bei Menschen, die die Standarddosis brauchen, so dass die Betroffenen sich wie in einem beständigen Ausschwemmschub fühlen. 

Ca. 20 % sind Niedrigdosierer*innen

In meiner Praxis sind etwa 20 % der Fibromyalgieerkrankten Niedrigdosierer*innen. 

Sie merken schon nach wenigen Einnahmen von 300 mg langzeitwirksamem Guaifenesin 2 x  täglich, dass der Körper zu arbeiten beginnt.

Vermehrtes Schwitzen und Frieren, stärkere Schmerzen und Erschöpfung sind die Folge. Eigentlich sind das gute Zeichen, aber die Beschwerden können unter Umständen so stark sein, dass die Betroffenen an ihre Belastungsgrenze kommen.

  • Gehörst du zu den Niedrigdosierer*innen?
  • Hast du das Gefühl, dass sogar diese geringe Dosis zu stark für dich sein könnte?

Dann sind die nächsten Informationen für dich wichtig.

Niedrigdosierer*innen schwemmen schnell und viel aus, der Reinigungsprozess ist daher insgesamt schneller abgeschlossen. Das tröstet zwar, aber da du davon ausgehen musst, dass der Prozess trotzdem Monate dauert, ist es nicht einfach, geduldig zu bleiben, da du ständig an deiner Belastungsgrenze bist.

Zur Fibromyalgiebehandlung benötigen die meisten Menschen eine Dosis von 1200 mg oder 1800 mg langzeitwirksames Guaifenesin pro Tag. Es sollte morgens und abends im Abstand von 12 Stunden eingenommen werden. 

Wenn du zu dieser Gruppe gehörst, erlebst du nach und nach, dass es gute Stunden und Tage gibt. Die guten Tage werden im Lauf von wenigen Monaten länger und die schlechten Phasen verkürzen sich stetig.

Gehörst du zu den Menschen, die weniger Guaifenesin brauchen, damit ihr Körper von den Phosphaten gereinigt wird, erlebst du lang anhaltende Schübe oder hast vielleicht sogar das Gefühl, dass dein Körper unentwegt ausschwemmt und gute Phasen sind schwer erkennbar. Nach einiger Zeit werden die ersten Beschwerden aufhören, während zeitgleich der Körper weiter an mehreren Stellen auschwemmt und du immer noch Beschwerden hast.

In seltenen Fällen sind sogar 2 x 300 mg/Tag Guaifensin zu viel.

Es gibt 2 Gründe, die Dosis auf unter 600 mg/Tag zu senken

  • Die Schmerzen und Erschöpfung werden so stark, dass du dein Leben nicht mehr meistern kannst. Du bist die meiste Zeit im Bett und alles ist dir zu viel. Der Fibro-Nebel macht dir stark zu schaffen, was bedeutet, dass du dich nicht mehr konzentrieren kannst, alles vergisst und oft nicht klar denken kannst. Deine Psyche ist im Keller. Das heißt, du bist stark depressiv und verzweifelt.
  • Dein Körper braucht weniger Guaifenesin.

Was tun?

Wenn die Schmerzen, Erschöpfung und Depressionen zu stark sind, kannst du für einige Wochen oder sogar Monate weniger Guaifenesin einnehmen.

Beim Kartieren werden der linke Oberschenkel und Rücken zwar nicht frei sein, aber man kann sehen, dass trotzdem andere Stellen reinigen. Insgesamt geht es etwas langsamer.

Für sehr stark betroffene Fibro-Patient *innen kann so eine langsame Vorgehensweise notwendig sein.

Ich höre oft, dass Guaianwender*innen anderen Betroffenen empfehlen, unbedingt die Dosis einzunehmen, die benötigt wird, damit der Oberschenkel frei wird. Das ist nur dann richtig, wenn die Betroffenen mit dieser Dosis auch klarkommen. 

In meinen Beratungen lege ich Wert darauf, dass der Alltag weiterhin machbar bleibt. Schmerzen und Erschöpfung sollten in einem Ausmaß liegen, das erträglich ist.

Da das Ausschwemmen insgesamt viele, viele Monate oder sogar Jahre dauert, finde ich es wichtig, dass die Psyche durch Schmerzen und Erschöpfung nicht überlastet wird.

Daher bespreche ich mit meinen Patient*innen nach einer Kartierung, was die beste Vorgehensweise für sie ist.

Langfristig ist es natürlich Ziel, die notwenige Dosis einzunehmen, damit der Oberschenkel frei wird. 

Für die Betroffenen ist es entlastend zu hören, dass sie sich auch Zeit lassen können.

Ausnahmen von der Regel

Wichtige Hinweise für Niedrigdosierer*innen

Folgende Punkte treffen vor allem auf Niedrigdosierer*innen zu.

  • Du reagierst auf Überdosierungen extrem. Schon 100 mg zu viel, können dir stark zu schaffen machen, du bist davon „platt“.
  • Falls du eine Einnahme vergessen hast, nimm niemals 2 Portionen. Das ist viel zu stark. Lass die Dosis einfach weg. 
  • Achte darauf, deine Einnahmen regelmäßig zu gestalten. Möglichst immer zur gleichen Uhrzeit.
  • Achte darauf, dein Leben regelmäßig und mäßig zu gestalten. Dein Körper arbeitet ständig auf Hochtouren und braucht Stressentlastung wo es nur geht. 
  • Anstrengungen, Bewegung, Schlafmangel und Überdosierung von Guaifenesin können Schmerz- und Erschöpfungs-Schübe auslösen, die sehr stark sind und lange anhalten. 

Auch Niedrigdosierer*innen haben Zyklen

Viele Guaianwender*innen orientieren sich am Buch von Dr. St. Amand, in dem steht, dass Niedrigdosierer*innen keine Zyklen erleben, sondern konstant an vielen Stellen gleichzeitig ausschwemmen. Das führt zu Verwirrungen, wenn du nicht kartiert wurdest und Zyklen spürst. Dann schlussfolgerst du vielleicht, dass du keine Niedrigdosierer*in bist und erhöhst deine Dosis. Das führt dazu, dass du unnötig hart ausschwemmst.

Ich beobachte Folgendes:

  • Die meisten Niedrigdosierer*innen merken nach wenigen Einnahmen, dass ihre Beschwerden stärker werden.
  • Falls deine Beschwerden sowieso schon den ganzen Tag maximal sind, ist es schwierig einen Unterschied zu erkennen. Dann hilft nur eine Kartierung.
  • Es gibt Niedrigdosierer*innen, die weniger als 600 mg Guaifenesin pro Tag brauchen und trotzdem einen freien Oberschenkel haben.
  • Es gibt Niedrigdosierer*innen, die Zyklen von guten Stunden und Tagen erleben, besonders, wenn sie noch weniger als 600 mg pro Tag brauchen.
  • Oder wenn der Reinigungsprozess schon weiter fortgeschritten ist, merken sie die Zyklen deutlicher. Meist ist das nach mehreren Monaten der Fall.

Wichtig

Eine Unterdosierung sollte langfristig in vermieden werden!

Bekommt dein Körper nicht die für dich ausreichende Menge Guaifenesin, wird der Körper nicht vollständig von den Phosphaten gereinigt und deine Beschwerden können nicht weggehen.

Unterdosierungen sollten daher nur dann bewusst eingesetzt werden, wenn du die komplette Dosis noch nicht verträgst. Das ist manchmal am Anfang der Guaifenesintherapie der Fall. Nach einiger Zeit solltest du unbedingt versuchen, die Dosis einzunehmen, die dein Körper braucht.

Überdosierungen sollten ebenfalls vermieden werden.

Manche Guaianwender*innen gehen nach der Devise vor „viel hilft viel“. Doch das kann fatale Auswirkungen haben.

Besonders bei Niedrigdosierer*innen kann eine Überdosierung nach wenigen Tagen oder Wochen sehr starke und anhaltende Schübe auslösen, die nur sehr langsam wieder abklingen, selbst wenn sie aufhören Guaifenesin zu nehmen.

Es mag zwar sein, dass man mit einer Überdosierung noch schneller ausschwemmt, aber das Leben sollte unbedingt noch lebbar bleiben.

Außerdem besteht bei Überdosierung die Gefahr, dass der Körper mit der Aktivierung der CytochromP450-Enzyme (Link zu Wikipedia) reagiert. Was diese Komplikation – die auch bei Normal- und Hochdosierern auftreten kann – bedeutet, beschreibe ich demnächst in einem eigenen Artikel.

Fazit:

Nach einer Eingewöhnungszeit geht es den Betroffenen mit der richtigen Dosis am besten und die Fortschritte werden deutlich  und kontinuierlich spürbar.

Ziel: Eine individuell gut angepasste Dosis

Es soll Menschen geben, die komplett ohne Beschwerdeverstärkung mit Guaifenesin reinigen und sich allmählich immer besser fühlen. Beneidenswert!

Ich habe in meiner Praxis noch niemanden gesehen, dem dieses Glück vergönnt war. 

Der Reinigungsprozess verursacht in den allermeisten Fällen Schmerzen, weil Wasser in die Zellen gepumpt wird, damit die Phosphate abtransportieren werden können. Die dadurch verursachten Schwellungen schmerzen, weil sie auf Nervenenden drücken. 

Der gesamte Ausschwemmprozess ist für deinen Körper eine Schwerstarbeit die erschöpft und müde macht.

  • Mit einer individuell gut angepassten Dosis ist es möglich die Beschwerdeverstärkung in Maßen zu halten. 
  • Ich denke, dass jeder 10 % Verschlechterung eine zeitlang gut managen kann.
  • Die Lebensqualität sollte nicht mehr vermindert werden als sie es ohnehin schon ist, wenn man Fibromyalgie hat.

Mein Motto:

Lieber langsam und stetig

und so effektiv wie möglich,

ohne Psyche und Köper zu lange zu belasten.

Mit ein wenig Geduld kann jeder nach wenigen Monaten die Dosis anpassen und im Heilungsprozess* gut vorankommen.

*Guaifenesin kann die Fibromyalgie nicht heilen, aber ich finde, man darf das für sich gerne so nennen, denn Beschwerdefreiheit fühlt sich für Betroffene wie eine Heilung an.

Unterstützung bei der individuellen Dosisfindung

Ich unterstütze dich gerne bei deiner Dosisfindung!

Kartierungen sind ein sicherer Weg, um nicht unnötig lange in einer Unterdosierung zu bleiben, aber auch, um nicht mehr zu nehmen, als der Körper wirklich braucht.

Termine können telefonisch oder per Mail vereinbart werden.

Telefon: 0711 5059377

Mail: weigel.elke@icloud.com oder über das Kontaktformular.

Körperfrohe Grüße

Elke Weigel

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One Comment

  • Inge

    Danke für die Infos.
    Ich gehöre zu den ganz wenigen Menschen, die mehr als 3600 mg Guaifenesin benötigen.
    Mein Cytochromsystem ist auch schon einmal angesprungen, was ich leider viel zu spät erst erfahren hatte und die Kartierung war dann schon wieder sehr schlecht und die Beschwerden stark.
    Ich freue mich daher auf die Infos bezüglich Cytochrom P450!
    Liebe Grüße!

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